Tagblatt Heute

Appenzellerland 


Samstag, 4. November 2006

Rössli St.Anton weicht Neubau

Thomas Manser neuer Besitzer der Oberegger Ausflugsliegenschaft

Oberegg. Was lange als Gerücht herumgeboten wurde, ist nun Tatsache: Thomas Manser, Pächter des «Hohen Hirschbergs ob Gais», hat die «Rössli»-Liegenschaft per 1. November gekauft. Im alten «Rössli» wird noch bis Ende Dezember gewirtet.

Im Laufe des nächsten Jahres weicht das 400 Jahre alte, heutigen Betriebsabläufen nicht mehr genügende «Rössli» einem zweckmässigen Neubau. Dies teilte die bisherige Besitzerin, die Hotel Rössli AG, gestern per Communiqué mit. Das Gesuch für den neuen Gastrobetrieb sei bereits bewilligt und die Zukunft der Tourismusdestination St. Anton gesichert, hiess es in der Meldung.

Damit sei das Ziel der im April 2005 ins Leben gerufenen Auffanggesellschaft erreicht, wenn auch in etwas anderer Form als ursprünglich erwartet. «Persönlich reut es mich um die alte Bausubstanz», sagt Verwaltungsratspräsident Hans Sonderegger. Der Neubau sei aber die einzige Möglichkeit für einen rentablen Betrieb an dieser besonderen Lage. Der Verwaltungsrat, dem neben Sonderegger der frühere Innerrhoder Säckelmeister Charly Fässler und Hans Schmid, Oberegg, angehören, habe nie beabsichtigt, das Hotel über längere Zeit selbst zu betreiben, wird betont.

Hirschberg-Wirt greift zu

Der neue Besitzer aus der bekannten Appenzeller Bergwirtefamilie Manser wird das Restaurant selbst führen. Er bringe das nötige Know-how für einen lebhaften Saisonbetrieb mit, heisst es in der Medienmitteilung. Ausserdem stehe die Bevölkerung hinter dem neuen Projekt, wie Hans Sonderegger versichert. Noch ist es aber nicht so weit: Im alten «Rössli» wird bis Ende Dezember gewirtet.

Bewegte Vergangenheit

Das Aussichtsrestaurant auf 1100 Metern hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich, insbesondere in der Zeit der napoleonischen Besetzung der Schweiz 1798. Der damalige Wirt Johann Jakob Eugster engagierte sich aktiv gegen die Franzosen. Einmal musste sich Eugster vor den französischen Truppen im Heustock verstecken, worauf diese das «Rössli» verwüsteten, die Vorratskammer «leerfrassen», den Weinkeller leersoffen» und zuletzt noch durch die Fensterscheiben schossen, wie der in Oberegg wohnhafte Historiker und Gymnasialrektor Ivo Bischofberger im Februar an einer Geschichtennacht zum 400-jährigen Bestehen des urspünglich als Pferdetränke bekannten Restaurants anschaulich aus den Quellen zitierte. Einer dieser Einschüsse kann man noch heute in der Bauernstube besichtigen, so er denn echt ist, denn die Kugel steckt nicht mehr.

Fast 200 Jahre Breu

Mit der Übernahme durch den Tierarzt Karl Jakob Breu 1815 begannen für das «Rössli» ruhigere Zeiten, in denen der Fremdenverkehr zunehmend an Bedeutung gewann. Bis 2004 blieb die Liegenschaft im Besitz der Familie Breu. Längere Zeit war das Restaurant geschlossen und die Liegenschaft stand kurz vor der Zwangsversteigerung. Die Appenzeller KB als Gläubigerbank verkaufte das Gebäude im April 2005 an die Rössli St. Anton AG. Als Wirtepaar wurde Charles Bischof und Susi Sonderegger, früher «Krone» Wolfhalden, verpflichtet und krankheitshalber bald von Thomas Steinbach abgelöst, der noch bis Ende Jahr die Gäste verwöhnen wird, wie es in der Mitteilung heisst. (pd/hps)


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